• Bahnhof Püttlingen
    Zentrum für Kultur, Kunst, Bildung und Tourismus.
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Klimapolitik in schwierigeren Zeiten


Zum Start der 30. UN-Klimakonferenz im brasilianischen Belém zog der ehemalige saarländische Umweltminister Jo Leinen im Kulturbahnhof Püttlingen ein Zwischenfazit zum aktuellen Stand der bisherigen Klimaaktivitäten.

Mit einem Rückblick auf die Historie der UN-Konferenzen begann er seinen informativen Vortrag. „Die erste Weltklimakonferenz fand 1995 in Berlin statt. Damals hatte Al Gore die Idee eines Marshallplans für die Umwelt. Leider konnte dies nicht umgesetzt werden“, fasste Leinen den Start der Weltklimakonferenzen zusammen. Erst unter US-Präsident Barack Obama sei es 2015 bei der Weltklimakonferenz in Paris gelungen, ein Abkommen zu unterzeichnen, das den weltweiten Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius beschränken sollte. „Zwischenzeitlich wurden Werte zwischen 4-5 Grad Celsius ermittelt, insofern sind die aktuellen Prognosen zwischen 2-3 Grad Celsius schon ein deutlicher Fortschritt, aber natürlich auch weit vom damaligen Ziel von Paris entfernt“, ordnete der Referent die aktuellen Prognosen ein.

Hoffnungsvoller Blick nach Belém

Neu bei der aktuellen Klimakonferenz in Brasilien sei, dass alle teilnehmenden Länder ihre nationalen Reduktionspläne zu CO2-Ensparungen vorstellen müssten. Auf die Frage was die besten und schlechtesten zu erwartenden Ergebnisse der diesjährigen Konferenz seien, sagte Leinen: „Schlechtestes Ergebnis wäre, wenn neben den USA weitere Länder aus dem Abkommen austreten würden“. Es sei wichtig, dass alle 193 Länder weiter hinter dem Abkommen stehen. Er gehe davon jedoch nicht aus, da die EU, aber auch China und Kanada Interesse an einem breiten Konsens hätten. „Bestes Ergebnis wäre, wenn die vorgestellten nationalen Reduktionspläne zu weiteren CO2-Einsparungen führen und der Temperaturanstieg damit schon mal auf 2 Grad Celsius anstelle von 3 Grad reduziert werden kann“. 

Fortschritte in schwierigeren Zeiten

Mit Blick auf Europa erläuterte der ehemalige EU-Parlamentarier, dass in den letzten Jahren viele Fortschritte gemacht wurden. So hätten sich die Preise für PV- und Windkraftanlagen deutlich verringert. Auch sei die Wärmepumpe in Neubauten inzwischen mit deutlichem Abstand die führende Heiztechnologie. Zudem steige die Anzahl der Elektroautos kontinuierlich. Mit einem Durchbruch rechne er in den nächsten Jahren. Insbesondere die chinesischen Hersteller seien sehr gut aufgestellt. „Bereits seit Juli 2024 werden in China – dem größten Automarkt der Welt – mehr Elektroautos zugelassen als Verbrenner“. Diese Entwicklung werde auch nach Europa überschwappen. Der Markt gehe eindeutig in Richtung Elektromobilität.

„Jedes Jahr importiert die EU Kohle, Öl und Gas für über 300 Milliarden Euro, davon allein in Deutschland für rd. 80 Milliarden Euro“, fasste der Referent zusammen. Bei verstärkter Nutzung von Erneuerbaren Energien könne man auf einen Großteil dieser Ausgaben verzichten. Der neue Industriezweig sei damit auch ein Mittelstandsmotor.

Aktuell sei die Klimapolitik allerdings hinter andere Themen zurückgefallen. „Es sind schwierigere Zeiten für die Klimapolitik – aber mit Wegschauen werden wir keine Probleme lösen. Die Industrienationen müssen vorangehen und Vorreiter sein“, forderte er mit Blick auf die Rolle Deutschlands bzw. der EU.

Lokale Projekte wichtig für Klimaschutz

„Klimakonferenzen allein retten das Klima nicht. Es sind viele Innovationen im Kleinen und Vorzeigeprojekte notwendig“, stellte Leinen abschließend fest. Er halte es für erforderlich, dass die Bürgerinnen und Bürger den Klimaschutz selbst in die Hand nehmen. So zeige der Bahnhof Püttlingen im Kleinen, was im Großen gelingen müsse: Energieverbrauch senken, Erneuerbare Energien nutzen und das Klima schonen.

Die Veranstaltung wurde von Dr. Christoph Schmidt vom Kulturforum Köllertal e.V. moderiert.  Der Vortrag war der 25. Vortrag in der Reihe „Gläserne Baustelle Bahnhof Püttlingen – auf dem Weg zum 1. klimaneutralen Industriedenkmal im Saarland“. Mitveranstalter sind das Saarbrücker Energieforschungsinstitut IZES gGmbH und die Volkshochschule des Regionalverbandes Saarbrücken.